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Menschen wie ferngesteuert

Als in einem Berliner Schnellimbiss kurzfristig 10.300 Fleischburger geordert wurden, war das kein Ausdruck der deutschen Esskultur, sondern eine geplante Aktion. Da war ein Flashmob unterwegs, was eine spontan-spaßige Angelegenheit ist, entstanden wohl aus Langeweile und ein bisschen Protestkultur. Das ferngesteuerte Unternehmen, möglichst viele Individuen am Tag X zur Uhrzeit Y am Ort Z zu versammeln, scheint auch ein wenig der Aktionskunst entlehnt zu sein.

Dabei klingt das Wort Flashmob natürlich nicht sehr angenehm. Wie man in zahlreichen Italo-Western lernt, ist der Mob eine aufgebrachte und auch gesichtslose Masse, die mit brennenden Fackeln und erhobenen Mistforken zum Ort des Protestes zieht, um dort schlimme Dinge zu anzurichten. Eine plötzlich auftauchende Menschenmenge wirkt ja zunächst immer bedrohlich, aber wer will denn zu einem Mob dazugehören? Darum gibt es für Flashmob auch einen politisch korrekten Begriff – nämlich Blitzauflauf. Wie auch immer, erstaunlich ist dabei vor allem, dass sich meistens genug Teilnehmer finden, die die Sinnhaftigkeit des ganzen Vorhabens nicht weiter hinterfragen und genau zum geforderten Termin auch noch Zeit haben. Manchmal ist es ja schon unmöglich, privat drei Freunde an einem Ort zusammenzubringen.

Wer als Flashmob-Regisseur erfolgreich ist, kann schon ein gewisses Allmachtsgefühl verspüren. Eigentlich könnte er alles Mögliche mit den Massen anstellen, wenn sie sich erstmal am verabredeten Ort befinden. Irgendwelche halbpolitischen Aktionen vielleicht oder schnell mal was Aufrüttelndes zum Thema Klimawandel aufführen. Wie es wohl aussieht, wenn sich Hunderte von Menschen auf dem Boden kringeln? Oder alle gleichzeitig die Regenschirme aufspannen? Wenn sie am verabredeten Ort vielleicht in Eisbär-Kostümen erscheinen? Man könnte denken, es wäre ein „Wetten dass …?“-Außendreh.

Ein wenig zeigen die Flashmob-Teilnehmer ja auch, dass sie gern verführt werden. Manchmal ist man als Individuum einfach nur da, um dazu beizutragen, dass irgendeine Menschenmenge zahlenmäßig anwachsen kann. Einfach so. Man kennt das sonst aus dem ausverkauften Fußballstadion oder dem voll besetzten Ferienflieger. Im eingangs erwähnten Fall freute sich natürlich der betroffene Schnellimbiss in Berlin, dem der überraschend aufgetauchte Flashmob noch eine ungewöhnlich steil ansteigende Absatzkurve bescherte.

Ein Kommentar/Trackback zu “Menschen wie ferngesteuert”

  1. Ole meinte am 16. November 2009 um 8:44:

    Probieren Sie das neue MaggiFix für Blitzauflauf!

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