Eine Qualitätsstudie über deutsche Schulbücher brachte es an den Tag - es häufen sich Fehler um Fehler. Viele Schüler werden, falls sie die Bücher überhaupt lesen, zum Teil mit ungenauen Informationen versorgt. Sonst war man schon als Kind immer davon ausgegangen, dass das Wissen dieser Welt in heiligen Schulfibeln abgespeichert ist, aber denkste. Diese seltsamen Schulbücher werden eine prima Ausrede für Ungereimtheiten bei der Wissensabfrage sein, die schlechten PISA-Ergebnisse können demnach viele Ursachen haben. Das Übel liegt zum Teil schon im bereitgestellten Wissen, noch mehr unzertifizierte Informationen gibt es sonst nur im wilden Internet.
Die dabei beklagte Fehlerquote weist zunächst auf einen harten Konkurrenzkampf bei den Schulbuchverlagen hin. Womöglich müssen sie ihre Produkte unter hohem Kostendruck zusammenschrauben, lassen sie vielleicht an Billiglohnregionen der Welt von Nichtmuttersprachlern layouten und ausdrucken. Es kann auch sein, dass sich schlechte Schulbuch-Raubkopien im Umlauf befinden, vor denen nun eindringlich gewarnt werden muss. So geht es also, wenn Wissen ungeprüft zwischen zwei Buchdeckel gepresst wird. Wie auch immer, das sieht nach einer großen Rückrufaktion aus.
Woher kommt dieser Informationsverlust? Es liegen doch reichlich alte Schulbücher vor, aus denen lediglich eine Faktenübertragung in eine Neuauflage vorgenommen werden müsste. Sicher, manchmal ändern sich Kleinigkeiten, brandheiße Erkenntnisse aus Wissenschaft und Technik ersetzen altes Wissen durch neues Wissen: Staaten kommen und gehen, plötzlich ist der Pluto kein Planet mehr oder die deutsche Rechtschreibung wird einfach mal so umgeworfen. Aber einige Sachen ändern sich nie mehr – die vier Grundrechenarten, die Zellteilung oder der Fußballweltmeister von 1990.
Immerhin werden die Schüler mit ungenauen Schulbüchern zum Zweifeln erzogen. Das ist eine wichtige Geisteshaltung, denn natürlich soll man nicht alles glauben, was so auf Papier gedruckt wird. Aber falsches Wissen lehren, damit sich die Schüler richtiges Wissen selber aneignen müssen, das ist doch quasi schwarze Pädagogik! So geht’s natürlich nicht. Die Schulbuchverlage sollten sich an jene Maxime halten, die der berühmte Schriftsteller Helmut Markwort einmal aufgestellt hat: Fakten, Fakten, Fakten. Und an die Leser denken.