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Unterwegs im fischkuttergroßen Geländewagen

Viele von uns haben jetzt dazugelernt: Jede noch so zufällige Wetterkapriole wird gleich mit dem Klimawandel in Verbindung gesetzt. So haben zum Beispiel ein paar wärmere Tage im April den Status als sonnige Vorboten der Klimakatastrophe bekommen. Was die Wetter-Wahrnehmung angeht, gibt es mittlerweile zwei Gruppen von Erdbewohnern: Für die einen sind ein paar unverhoffte Sommertage ein Geschenk der Natur. Sie klappen das Cabriodach auf oder stellen die Gartenstühle nach draußen. Und der nachdenkliche Rest blickt argwöhnisch zum Himmel und hat ein schlechtes Gewissen. Die böse Ahnung ist: Die Natur wird mit uns noch Dinge anstellen, die die eigene Haftpflichtversicherung nicht mehr abdeckt.

Der Erde selbst ist das alles ziemlich egal. Denn erdgeschichtlich gesehen gab es zum Beispiel die meiste Zeit der Planetenchronik überhaupt keine Polkappen aus Eis. Überhaupt hat unser Erdball schon wesentlich schlechtere Zeiten gesehen, auch klimatisch. Verschiedene Kälte- und Hitzperioden wechselten sich ab, Kontinente vereinigten oder trennten sich, Lebewesen kamen und gingen. In großen Zeiträumen gesehen denken wir eigentlich nicht. Wir Erdlinge sorgen sich eigentlich mehr um uns selbst, nicht so sehr um den Planeten. Weil aber der Mensch Dinge hinterfragt und wenigstens den eigenen Lebenszeitraum zu überblicken versucht, werden nun existenzielle Fragen gestellt.

Einige werden denken: Da hat man nun jahrelang Müll getrennt, brav Öko-Äpfel gemampft und ist mutig Fahrrad gefahren, doch bestraft werden im Klimawandel alle gleichmäßig, ob nun Umweltsünder oder nicht. Es sieht so aus, als wäre es am Ende ziemlich egal, ob man einen fischkuttergroßen Geländewagen fährt oder in gewaltfrei hergestellten Sandalen ins Büro schlurft.

Dieses Fazit könnte zwei unterschiedliche Reaktionen zur Folge haben. Entweder, dass jetzt sowieso alles umsonst ist. Oder, dass man sich gegenseitig zu erzieht und doch noch Mitbewohner auf verhängnisvolle Umweltfrevel hinweist. Ganz im Sinne der frühen Ökoterroristen, die sich noch protestierend ans Atomkraftwerk anketteten oder Robbenbabys retteten. Vielleicht setzt man sich aber auch nur gemeinsam in den Sonnenschein, der das Leben auf der Erdoberfläche erst möglich macht hat.

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