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Bier & Schokolade

Wo das staatliche Gesundheitssystem aufhört, fängt die Wellness-Industrie an. Denn Wellness heißt das große Substantiv in der boomenden Erholungsgesellschaft, wenngleich die dazugehörigen Praktiken in ihrer Wirkung oft umstritten sind. Bislang war das immer der Einsatz von ätherischen Ölen oder das Auftragen von Schlammpackungen, verbunden mit patschigen Massagen und fernöstlicher Volksmusik. Und alles nur, um ästhetisch verunsicherten Angehörigen der Mittelschicht das Geld aus der Tasche zu ziehen.

Doch neben den oben genannten Methoden wird in der Wellnesswirtschaft neuerdings auch mit Nahrungsmitteln gearbeitet. Das sind zum Beispiel Einreibungen mit Schokolade, manchmal wird vom Schönheitsfarm-„Doktor“ auch das Baden in Bier verordnet. Nun wollen wir an dieser Stelle nicht den Hunger auf der südlichen Erdhalbkugel ins Feld führen, der mit Bier und Schokolade sowieso nicht zu bekämpfen ist. Aber es gibt Grundsätze im Umgang mit Nahrungsmitteln, die hierzulande zwar immer noch von der letzten Kriegsgeneration vermittelt werden, die aber auch ethischen Normen folgen. Nicht mit dem Essen spielen – so lautet eine uralte Lebensregel, die schon Kindern vermittelt wird.

Man weiß nicht, was das wohl für Scharlatane sind, die sich ausdenken, dass mit dem Auftragen von Vollmilchschokolade der Alterungsprozess der menschlichen Haut aufzuhalten sei. Eine falsche Lebenseinstellung ist doch mit Wellnesskuren nicht mehr zu retten, der Prozess des Verfalls lässt sich allenfalls verzögern. Gemacht ist das alles für Menschen, die nicht krank sind, sondern sich eher irgendwie komisch fühlen oder einfach nur Langeweile haben, Unwellness eben. Und dort grätscht die Wohlfühlwirtschaft mit immer neuen Marketingideen hin.

Interessant ist das Bier/Schokolade-Problem aber unter einem ganz anderen Aspekt. Denn nicht nur die Wellness-Kundschaft hat oft mit einer falschen Einstellung zur Ernährung zu kämpfen. Unter diesem Gesichtpunkt ist es doch nur logisch, wenn Genussmittel nur noch äußerlich angewendet werden, weil sie missbräuchlich im Körper schon genug Schaden angerichtet haben. Diese Patienten könnten die neuen Einsatzmöglichkeiten von Bier und Schokolade auch zu Hause ausprobieren. Das ist nicht verschreibungspflichtig, aber in den benötigten Mengen sehr teuer und auch ziemlich fragwürdig.

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