Die Salmonellen-Epidemie im hessischen Fulda hat uns alle etwas überrascht. Komisch, wie das heute noch passieren kann. Man dachte, die kleinen Biester sind ausgerottet, so wie Pocken, Tuberkulose und Feudalismus. Doch die Salmonelleninfektion ist wirklich eine unterschätzte Gefahr, daran erkranken jedes Jahr weltweit rund 16 Millionen Menschen. Salmonellen können mindestens so unangenehm sein wie schlechtgelaunte Hansafans, aber es gibt wenigstens ein Gegenmittel. Ich meine, gegen Salmonellen.
Ich hatte 2001 mit den ägyptischen Vertretern dieser Spezies zu tun, sie warfen mich zwei Wochen aufs Krankenlager. Das Unternehmen nahm einen Schmerzverlauf, der sich einige Tage lang wie Geburtswehen anfühlte, begleitet von Fehlfunktionen des Magen-Darm-Traktes. Die diätische Grundversorgung bedeutete dann Fencheltee und trockenes Brot, als Nahrungsergänzungsmittel reichlich Antibiotika. Das einzig Positive daran war: Als Patient ging ich aus der Krankheit zwar geschwächt hervor, aber auch im Sinne der heutigen „Fit statt fett“-Bewegung um einige Kilo leichter. Und mit wesentlich mehr Demut der Schöpfung gegenüber.
Aber zurück zum Fall Fulda: Dort wurde lange gerätselt, aus welchem Kochtopf die fiesen Dinger nun geschlüpft sind. Gerade in einem Kreiskrankenhaus, das als Hort der Heilung und Inbegriff der Keimfreiheit gilt, ist es besonders unangenehm, Bekanntschaft mit neuen Erregern zu machen. Komisch nur, dass die hygienische Grundsicherung in Deutschland es nicht vermag, solche Ernstfälle zu vermeiden. Die Salmonellose ist ja nun keine Volkskrankheit, kann aber offenbar jederzeit ausbrechen. Ähnlich wie diese Superseuche in „Outbreak – lautlose Killer“ von Wolfgang Petersen. Wahrscheinlich der einzige Film, in dem Viren die Hauptrollen spielen, jedoch nicht in Fulda gedreht, sondern in der US-amerikanischen Fiktion angesiedelt.
Wie immer ist man als Verbraucher bzw. Patient machtlos. Zwar kann man alle möglichen Vorsichtsmaßnahmen treffen und im täglichen Leben so eingepackt herumlaufen wie die Beschäftigten in der Mikrochip-Industrie. Doch ohne medizinisch-bakteriologische Grundbildung läuft sowieso nichts. Und wer hat schon das Schülermikroskop dabei, wenn er beim Einkaufen Geflügel aus der Tiefkühltruhe angelt, um es kritisch zu beäugen? Also Vorsicht: Fulda ist überall.
… [Trackback] …
[…] Informations on that Topic: generation-jetta.de/besondere-kennzeichen-keime […] …