Viele von uns haben jetzt dazugelernt: Jede noch so zufällige Wetterkapriole wird gleich mit dem Klimawandel in Verbindung gesetzt. So haben zum Beispiel ein paar wärmere Tage im April den Status als sonnige Vorboten der Klimakatastrophe bekommen. Was die Wetter-Wahrnehmung angeht, gibt es mittlerweile zwei Gruppen von Erdbewohnern: Für die einen sind ein paar unverhoffte Sommertage ein Geschenk der Natur. Sie klappen das Cabriodach auf oder stellen die Gartenstühle nach draußen. Und der nachdenkliche Rest blickt argwöhnisch zum Himmel und hat ein schlechtes Gewissen. Die böse Ahnung ist: Die Natur wird mit uns noch Dinge anstellen, die die eigene Haftpflichtversicherung nicht mehr abdeckt. Mehr »
Abschiednehmen wird im Fernsehen sehr unterschiedlich begangen. Wenn Sendungen überraschend abgesetzt werden oder Arbeitsverhältnisse unrühmlich enden, wird der Mantel des Schweigens darüber gedeckt. Aber es gibt auch die große und feierliche Form des Rücktritts: Wie am 24. Juni, als Anne Will und Sabine Christiansen von ihren ARD-Ämtern zurücktraten. Sabine Christiansen wurde mit einem „Dittsche“-Ausschnitt geehrt, bei Anne Will eilte die ganze „Tagenthemen“-Belegschaft zum ehrenden Gedenken herbei. Bei Personalwechsel in ARD-Nachrichtensendungen ist das durchaus üblich, auch Ulrich Wickert ist auf diese Weise vom Sender gegangen. Das sieht so aus, als würde ein Lebenswerk geehrt, als wäre da jemand reif für das Fernsehverdienstkreuz. Im großen ARD-Personalroulette werden das nicht die letzten Abtritte gewesen sein.
Die Salmonellen-Epidemie im hessischen Fulda hat uns alle etwas überrascht. Komisch, wie das heute noch passieren kann. Man dachte, die kleinen Biester sind ausgerottet, so wie Pocken, Tuberkulose und Feudalismus. Doch die Salmonelleninfektion ist wirklich eine unterschätzte Gefahr, daran erkranken jedes Jahr weltweit rund 16 Millionen Menschen. Salmonellen können mindestens so unangenehm sein wie schlechtgelaunte Hansafans, aber es gibt wenigstens ein Gegenmittel. Ich meine, gegen Salmonellen. Mehr »
Alles schon wieder Geschichte! Die PräsidentInnenwahl in Frankreich und die dazugehörige Berichterstattung präsentierte uns ganz zufällig zwei Schwestern im Geiste: Ségolène Royal und Anne Will. Die Beinahe-Präsidentin und die Ex-Tagesthemenfrau vereinte nicht nur eine starke optische Ähnlichkeit, sondern auch das Talent, unangenehme Aufgaben mit Charme zu bewältigen. Nur zum Vergleich: Man stelle sich mal vor, im französischen Fernsehen würde eine wie Angela Merkel aussehende Frau die Nachrichten lesen. Unmöglich. Dagegen zeigt der letztlich zum französischen Präsidenten gewählte Nicolas Sarkozy starke Übereinstimmungen mit der Comicfigur Isnogud. Diese vor über vierzig Jahren vom Asterix-Autoren René Goscinny erfundene Gestalt ist nun Wirklichkeit geworden. Isnogud, ein Großwesir, der immerzu Kalif werden will – irgendwie stimmt das nun auch.